Samstag, 17. Januar 2015

Das Leben, das ich selbst gewählt

Das Leben, das ich selbst gewählt

Ehe ich in dieses Erdenleben kam
Ward mir gezeigt, wie ich es leben würde.
Da war die Kümmernis, da war der Gram,
Da war das Elend und die Leidensbürde.
Da war das Laster, das mich packen sollte,
Da war der Irrtum, der gefangen nahm.
Da war der schnelle Zorn, in dem ich grollte,
Da waren Hass und Hochmut, Stolz und Scham.

Doch da waren auch die Freuden jener Tage,
Die voller Licht und schöner Träume sind,
Wo Klage nicht mehr ist und nicht mehr Plage,
Und überall der Quell der Gaben rinnt.
Wo Liebe dem, der noch im Erdenkleid gebunden,
Die Seligkeit des Losgelösten schenkt,
Wo sich der Mensch der Menschenpein entwunden
Als Auserwählter hoher Geister denkt.

Mir ward gezeigt das Schlechte und das Gute,
Mir ward gezeigt die Fülle meiner Mängel.
Mir ward gezeigt die Wunde draus ich blute,
Mir ward gezeigt die Helfertat der Engel.
Und als ich so mein künftig Leben schaute,
Da hört ein Wesen ich die Frage tun,
Ob ich dies zu leben mich getraute,
Denn der Entscheidung Stunde schlüge nun.

Und ich ermaß noch einmal alles Schlimme
»Dies ist das Leben, das ich leben will!«
Gab ich zur Antwort mit entschloßner Stimme.
So wars als ich ins neue Leben trat
Und nahm auf mich mein neues Schicksal still.
So ward ich geboren in diese Welt.
Ich klage nicht, wenns oft mir nicht gefällt,
Denn ungeboren hab ich es bejaht

Hermann Hesse/Unbekannt
(darüber scheiden sich die Geister)


Nimm das einfach mit auf deinen weiteren Lebensweg und erinnere dich daran, wenn du wieder mal mit dir und den Umständen nicht glücklich bist.
Auch wenn du das gerade für sehr "spirituell" oder "abgehoben" empfindest, denk mal in Ruhe über deinen bisherigen Lebensweg nach, denn ohne diese er- und gelebten Situationen, Leiden, Verluste und Freuden, wärst du jetzt gar nicht du - so wie du dich kennst. Auch das Leben der Menschen um dich herum wäre erheblich aus dem Gleichgewicht gebracht, wenn du auch nur eine deiner Entscheidungen zurücknehmen könntest.
Darum sei nicht unglücklich mit deinem Leben, denn es ist wie es ist und sein soll.
Versuche nicht an Situationen oder Umständen zu verzweifeln, sondern erkenne darin die Herausforderung, die nur du - wirklich nur DU - schultern und bewältigen kannst!
Du hast alle nötigen Voraussetzungen, um für jedes Problem und jeden noch so schwierigen Umstand, der dir in deinem Leben begegnet, eine Lösung zu finden.
Vor allem vergleiche nicht dein Leben und dessen Umstände mit anderen, denn jeder einzelne Mensch ist so individuell und speziell, dass du dich nie - niemals - mit anderen vergleichen kannst. Bleibe du selbst und lebe dein Leben mit all deinen Stärken und Schwächen und mach das Beste daraus. Versuche aus jedem Umstand und jeder Situation, sei es gut oder auch weniger gut, etwas Positives für dich und auch für andere herauszuholen.
Denk immer daran: Du hast es bis hierher geschafft und schaffst es noch viel weiter.


Text von v-vabelhaft.blogspot.com
Gedicht: Hermann Hesse bzw. Unbekannt (darüber streiten sich noch die "Gelehrten")

Kommentare:

  1. Schööön geschrieben ♥
    Ich hadere zwar nicht mit meinen Schicksalen, neige aber dazu ständig alles mit allem zu vergleichen und nur negative Dinge zu sehen :))
    Jetzt mit deinen Worten im Kopf werde ich das brav abstellen *grins*
    Liebe Grüße,
    Marli

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  2. Hmmmmm....... Eine spannrnde Sicht der Dinge!
    Ich bin sehr glücklich - trotz allem!
    Der Satz: bis hierhin habe ich es geschafft, es geht auch noch weiter! Diese Aussage finde ich brmerkenswert
    Herzlichst
    yase

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  3. Da sprichst Du etwas Wahres aus. Jeder ist seines Glückes Schmied und auch mit vermeindlichen Niederlagen muss man umgehen können, es ist halt immer die Frage, was man daraus macht und wie man damit umgeht. Ich kann Dir aus eigener Erfahrung sagen, dass es man gar nichts bringt, sich über Entscheidungen und Begebenheiten der Vergangenheit zu ärgern, viel wichtiger ist, daraus zu lernen und aus dem Heute, dem Jetzt und Hier das Beste zu machen!
    In diesem Sinne, einen schönen Sonntagabend!
    Vanessa

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  4. Liebe Frau Vabelhaft!
    Ein wunderschönes Gedicht und ein toller Text von Dir! Du hast so recht! Das braucht nicht mehr Worte.
    LG, Rike

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  5. Liebe Frau Vabelhaft,
    das hast Du so schön geschrieben!
    Wir müssen unser Leben alle mehr schätzen.
    Beste Grüße an Dich!
    ANi

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  6. Hallo ihr Lieben,
    zu diesem Gedicht, dass mich seit längerer Zeit beschäftigt hat, ein paar Informationen.
    Aus einem aktuellen E-Mail-Austausch:

    Guten Tag Herr Hantl

    Die Fassung von Max Hayek war mir bisher nicht bekannt. Ich habe das Gedicht von einem Beat Imhof, seinerzeit (es mag 40 Jahre her sein) Schulpsychologe der Stadt Zug. Er gab sich als Autor des Gedichtes aus, möglicherweise deshalb, weil er die Fassung des Originals stark änderte. Dies ist aber nur eine Vermutung von mir. Ich habe den Kontakt zu Beat Imhof verloren und weiss auch nicht, ob er noch lebt. Die Fassung, die man auf meiner Website findet, ist nochmals eine - diesmal von mir vorgenommene - Modifikation; daher ohne Autorenangabe.

    Ich hoffe, dass mit diesen Infos Ihre Fragen können geklärt werden und grüsse Sie herzlich

    Jörg-Ulrich Wille

    http://www.juwi.ch/kurzgesc/leben.htm

    Zu Herrn "Max von Hayek" (24.12.1882-1944)
    http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zb_okkultismus1919/0382

    Zu Herrn "Beat Imhof"
    https://www.youtube.com/watch?v=w4jxZB9rxDk

    Welchen der beiden Autoren wir dafür verantwortlich machen dürfen?

    Ich habe hier unter dem YouTube-Video eines Bekannten einige der Werke von Herrn von Hayek eingestellt (macht euch darüber am besten selbst ein Bild).

    https://www.youtube.com/watch?v=VJ7-337eNP0 (kann man nach "Neueste zuerst" sortieren)

    Ich finde sie alle sehr schön.

    Das selbe, gilt für diesen Blog.

    Alles Liebe

    Viele Grüße

    Olaf


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  7. arno. - Das Leben, das ich selbst gewählt
    www.youtube.com/watch?v=shEXkmD3hCk

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  8. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  9. Von Hermann Hesse, ist es definitiv nicht!

    http://www.hermann-hesse.de/archiv/2013/11/23/internet-transporiert-gedichte-die-fälschlicherweise-hermann-hesse-zugeschrieben-w

    Eins meiner Lieblingsgedichte von ihm, das vermutlich die wenigsten kennen.

    http://www.gedichte.vu/?besinnung.html

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Danke, dass du dir Zeit für einen Besuch bei mir genommen hast.