Freitag, 20. Mai 2016

Mein Ac­ces­soire

Als Frau kennst du das. Das eine oder andere Accessoire - manchmal auch (gerne) mehr - darf nicht fehlen.
Es ist oft nur eine Kleinigkeit, die dazu gehört. Sei es die kleine Handtasche, ein kleines Armband, ein Halstuch, etc.
Auf jeden Fall fühlst du dich direkt vollständiger. ;)))

Ich bin ja auch so eine, die sich gerne mit kleinen Accessoires schmückt.
Meistens sind es eher unauffällige Kleinigkeiten, aber eines sticht immer und überall heraus:
der Wheely.

Dieses Accessoire kam ungefragt und ungewollt in mein Leben. Ich hätte mir bei freier Auswahl niemals einen Rollstuhl ausgesucht, aber jetzt ist er nun mal da und irgendwie arrangiert man sich damit.
Zugegeben, an manchen Tagen weniger als an anderen, aber wirklich missen möchte ich ihn nicht. Wie käme ich sonst von A nach B!?

Was mir allerdings an meinem Accessoire überhaupt nicht gefällt und womit ich mich gar nicht arrangieren kann, sind die Blicke, die ich aufgrund dessen von manch einem meiner Artgenossen auf zwei Beinen kassiere.
Natürlich falle ich sowohl in kleineren als auch größeren Menschenansammlungen direkt auf, denn der Wheely unter meinen Hintern ist ja auch nicht zu übersehen!

Dass man kurz hinguckt, wenn etwas anders ist, ist ja völlig legitim. Aber wenn man von Blicken regelrecht gelöchert wird, dann wird es wirklich unangenehm.
Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass mich, wenn ich im Sommer ein weiteres Accessoire - nämlich meine Sonnenbrille - trage, die entgegenkommenden Passanten offensichtlich für blind halten, was man deutlich an ihren völlig ungenierten, sich nicht abwendenden, starrenden Blicken erkennen kann.

Ganz besonders unangenehm wird es, wenn "normale" (das "normal" sei jetzt mal dahingestellt) Zweibeiner aufgrund des Rollstuhls sofort darauf schließen, dass man unter einem "ganzheitlichen Handicap", also nicht nur körperlich, sondern auch geistig, leidet.
Mit welcher Berechtigung nehmen sich diese Leute das Recht heraus, jemanden den sie nicht einmal kennen, so zu beurteilen??

Für mich gibt es nur eine zufriedenstellende Antwort:
Es liegt eine allgemeine und weitverbreitete Störung der Bevölkerung quer durch alle Schichten vor!!!
Ja, das klingt hart. Aber die Unwissenheit und Unsicherheit nicht zu wissen, wie man Menschen mit Handicap begegnen soll, lässt doch nur auf ein mangelendes Bewusstsein der gesamten Gesellschaft schließen, oder?!?
In anderen Ländern wie z.B. den Niederlanden ist man, was das angeht, Deutschland um Längen voraus.

Aber keine Sorge, denn ihr habt ja mich und ich kläre euch gerne mal auf!!!

hihi - nee, nee nix von wegen Bienchen und Blümchen... - das habt ihr doch eh schon längst alle selber rausgefunden! *lach*
Und bevor wir jetzt ganz abschweifen, schnell zurück zum Thema. ;)))

Ich kann euch versichern, dass Menschen, die ein Handicap haben, genauso "normal" wie alle anderen sind und auch so behandelt werden wollen!!!
Keine abwertenden, bemitleidenden und verunsicherten Blicke oder womögliches Anstarren.
Keine herabsetzende, verletzende und diskriminierende Behandlung.
Schlicht und einfach ein ganz normaler Umgang mit einem Menschen!

Oft denke ich darüber nach, wie es wohl wäre, wenn alle Leute mit einem Handicap vermeintlich gesunden Zweibeinern, die z.B. eine Glatze oder Segelohren oder sonst irgend etwas haben, ihnen ihre geistige Zurechnungsfähigkeit absprechen und dies genau so offen zeigen würden, wie es sonst umgekehrt immer wieder der Fall ist.
Stellt euch das mal bitte für einen Moment bildlich vor!!
.............
Genau! Auch ich denke, dass das gar nicht gut ankäme und die Leute sich bestimmt sehr darüber aufregen würden.

Warum also nicht in einem freundlichen, respektvollen und aufgeschlossenen Miteinander in ein- und derselben Gesellschaft leben!?!
Es ist doch völlig egal, ob ein Mensch ein Handicap hat oder nicht.
Ein Mensch ist und bleibt ein Mensch.

Mein wohl süßestes Accessoire hat vier Pfoten und ist immer an meiner Seite


Deshalb werde ich die Außenwelt auch weiterhin mit meiner Gegenwart und meinem Accessoire - dem Wheely - erfreuen. ;)))

****


Zum guten Schluss noch einen lieben Gruß und herzliches Willkommen an meine neuen Leserinnen.♥♥♥
Ich freu mich sehr, dass ihr mich hier nun begleitet. :)))

Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende.



Text copyright by v-vabelhaft.blogspot.com

Kommentare:

  1. Ach weisst du, mich hat dieses ungenierte und manchmal Grenzwertüberschreitungen Verhalten von Mitmenschen ja so oft verletzt. Unser zweites Kind hatte einen schweren Hinhautinfekt, und war deswegen schwerst beeinträchtigt. Oft hatte er Schmerzen, und wimmerte dann in einer auch mir fast unerträglichen Tonlage. Wenn wir unterwegs waren, auch draussen und in der Stadt! - musste ich mir schon ganz viel anhören........
    Leider benehme auch ich mich bestimmt nicht immer richtig. Aber ich möchte gerne lernen.
    Herzlichst
    yase

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  2. Ich finde es immer wieder super, wie du uns aufrüttelst und weißt du, was ich gerade dachte? Die, die so starren, sollte man fragen, ob sie ein Handicap haben, nämlich ob sie ihre Augen nicht bewegen können. Bringt wahrscheinlich nichts auf Dauer, aber wenn es immerhin mal einen wachrüttelt, lohnt es sich vielleicht doch. Klar, bei einem Wheely oder Krücken oder Rollator oder aber auch total großen und bunten Hut oder engen neonfarbenden Leggins schaut man vielleicht "aus Reflex" kurz hin, aber dannö muss doch auch wieder gut sein - und das kann man m.E. auch trainieren - wenn man halt will. Meine eigene Erfahrung ist, dass man das sofort ablegt, sobald man mal jemanden mit Handicap - egal welcher Art - persönlich kennenlernt. Denn dann weiß man, dass jeder Mensch einfach ein Mensch ist - nicht mehr und schon gar nicht weniger!
    So, und jetzt höre ich auf mich da reinzureden. Sonst liege ich gleich im Bett länger wach. ;)
    Ganz liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
    Rike (die immer noch deine Adresse braucht, sonst kann der Postmann nicht bei dir klingeln. Ich glaube ja langsam, dass wir beide einen ganz merkwürdigen Virus auf unseren Rechner haben, der unsere Mails mit den wichtigen Infos löscht. *gggg*)

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  3. Ein "Wachrüttel"-Post. Es stimmt schon, wenn ich die kl.Freundin von Robert im Rollstuhl begleite sind es auch diese Blicke ....
    Und weisst Du was? Sie ist ein kluges, angenehmes, liebenswertes Mädchen. Das sieht keiner, und das ist schade.
    Bei Robert ist es ja genau umgekehrt. Er sieht "normal" aus, wirkt auf den ersten Blick so wie viele andere Buben. Jünger wird er geschätzt, das schon. Und dann ... wenn man länger mit ihm zusammen ist kommt deutlich der Autismus "durch" ... er redet oft anders, er hüpft und klatscht ... er lacht nicht immer angebracht (für einige Menschen zumindest). Und dann hört man das Gemurmel: Schlecht erzogen ... den sollte man mal .... das es so was gibt, der ist doch nicht normal... etc. Immer öfter bekommt er das mit und frägt auch nach warum sie so etwas über ihn sagen. Für mich sind solche Mitmenschen schwer zu ertragen .... Ab und zu rede ich die dann an, ein andermal dreh ich mich nur weg und lenke Robert ab.
    Schwer, das alles!
    Ich hab ihn eine zeitlang t-shirts drucken lassen. Deutlich standen da Botschaften aus seiner autistischen Welt drauf. Genützt hat das fast gar nichts. Doof, oder?
    Ich wünsch Dir noch viele Ideen für weitere Post, die so gut erzählen und aufklären. Manchmal denk ich nur, dass diejenigen die sich so schlimm benehmen gar nicht mitlesen, es nicht genau wissen wollen ..
    liebe Grüsse
    Elisabeth

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  4. du hast schon recht, ein mensch ist und bleibt ein mensch....jedoch mache ich in anbetracht der schrecklichen dinge die zur zeit in deutschland geschehen einen entschiedenen unterschied zwischen menschen....und eben die andere art *menschen*

    einen wundervollen blog hast du übrigens hier, ich komme sehr gerne wieder :)

    glg, heike

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  5. Kein einfaches Thema. Ich gehöre, ehrlich gesagt, auch eher zu den unsicheren Menschen. Mein Blick eigentlich oft nur "normal" kurz und vielleicht würde ich so manches Mal gerne auch einmal einfach nur "normal" zulächeln. Aber dann Angst, dass es als Mitleid missverstanden werden könnte...
    Und da ich mich natürlich gar nicht wirklich in Deine Situation hineinversetzen kann, fällt es mir tatsächlich auch ganz schön schwer zu kommentieren. Auf jeden Fall fühle ich mit und finde es sehr gut, dass Du hier so offen darüber schreibst!

    Herzliche Grüße,
    Maike

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  6. Recht hast Du, liebe Frau Vabelhaft. Aber... ich muss für uns "Normalos" mal ein gutes Wort einlegen. Wenn ich jemanden im Rollstuhl sehe, oder mit Krücken, Blindenhund oder was weiß ich was, dann platzt mein armes Hirn sogleich unter einem ganzen Kaleidoskop vo Fragen: Oh, wie ist das denn passiert? Wird das wieder? Unfall, Krankheit, oder was? Vielleicht angeboren? Wie bewältigt man seinen ganz normalen Alltag mit so einem Ding? Usw. usw...
    Tja, und während sich all diese Fragen bilden, und man vor Neugier beinahe platzt, da starrt man halt, ohne es wirklich zu merken. Das Hirn ist ja schließlich damit beschäftigt, weiter Fragen zu bilden, und sich vielleicht auch passende Antworten zurechtzulegen. Nichts für Ungut, aber nicht jedes Starren ist böse gemeint, sondern manchmal einfach nur unbedacht, und bestimmt auch unbemerkt.
    Ganz liebe Grüße
    Frauke von Lüttes Blog

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  7. Danke für deinen Kommentar.Du bist eine treue Seele und ich freue mich wenn,wenn du vorbei schaust.Wünsche dir einen tollen Restsonntag.
    Ganz liebe Grüße von Andrea

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  8. Liebe Frau Vabelhaft,
    vielleicht ist es tatsächlich so das Menschen mit einem eigenen Handicap oder Menschen die jemanden in der Familie haben mit einem Handicap durch Erfahrung seinen Mitmenschen entsprechend gegenüber treten. Ich selber habe als Einaugsehende ein Handicap welches mich manchmal in blöde Situationen bringt. Es kommt oft vor, dass ich Menschen nicht sehe die von links kommen im Einkausladen. Dann laufe ich zu und es kommt zum Anrempeln. Natürlich entschuldige ich mich, aber ich musste schon manches ärgerliche Gesicht sehen oder sogar böse Worte in Hörweite.
    Das Schloss Schönbrunn ist gut zugänglich mit einem Rollstuhl. Auf ihrer Webseite gibt es den Punkt "Barrierefrei" zur Info.
    Hab eine gute neue Woche.

    Liebste Grüessli
    Julia

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  9. Liebe Frau Vabelhaft,
    ich denke ich kann mir gut vorstellen, wie du dich in mancher Situation fühlst. Sicher, ich sitze nicht in einem Rollstuhl, aber als ich vor mehreren Wochen massive Rückenprobleme hatte und nur noch sehr schlecht laufen konnte, wurde ich so sehr angestarrt, dass ich mich am liebsten unsichtbar gemacht hätte. Das Einkaufen war eine Qual. Das Einzige was ich daran gut fand, war der Einkaufswagen an dem ich mich krampfhaft festhalten konnte. Es ist wohl in unserer Gesellschaft nicht mehr passend, wenn es jemanden nicht so gut geht. Komischer weise war es ein Mann in einem Rollstuhl, der nicht starrte, sondern sehr nett zu mir war. Mittlerweile laufe ich schon wieder ganz gut, aber diese Erfahrung hat mich schon etwas gelernt. Sicher gibt es bestimmt auch viel Unsicherheit und darum schauen manche Menschen nur. Ich glaube es ist einfach auch schwierig wie man reagiert.
    Ich wünsche dir noch einen schönen Abend!
    Ganz liebe Grüße Andrea

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Danke, dass du dir Zeit für einen Besuch bei mir genommen hast.