Samstag, 28. Mai 2016

Vier Jahre - Ein Teil meines Lebens

Heute morgen ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen.
Ich sitze tatsächlich schon über ganze vier Jahre im Rollstuhl!
WOW - darüber musste ich selbst erstmal staunen.

Wo sind die Jahre hin?
Ich habe noch nie so wirklich darüber nachgedacht und jetzt, wo ich es tue, kommt es mir selber komisch vor.
Ich überlege gerade, ab welchem Tag genau ich auf einen Rollstuhl angewiesen war, aber es fällt mir partout nicht ein.

Aber an die erste Fahrt in einem Rollstuhl vor vier Jahren kann ich mich gut erinnern, denn das war damals im Klinikum, als alle Welt noch rätselte, was mit mir wohl los sei.
Und während ich in diesem Ding durch die endlosen Gänge der Uniklinik geschoben wurde, um von einer Untersuchung zur nächsten zu kommen, weil ich zu schwach war, mich auf meinen Beinen zu halten, schämte ich mich in Grund und Boden.

Es fehlen mir die Worte, um all meine Gefühlsregungen aufzuschreiben, was und wie ich mich genau fühlte. Es war einfach nur schrecklich.

Es war eine sehr beunruhigende Zeit.

Nachdem man später wusste, was mit mir los war und versucht wurde mich mit verschiedenen Präparaten wieder "herzustellen",  konnte ich mich teilweise wieder alleine fortbewegen. Zwar hatte ich zur Unterstützung ein paar Krücken und einen Rollator, aber zumindest stand ich auf meinen eigenen Beinen.

Leider verschlechterte sich die Lage immens, nachdem mir ein falsches Medikament vom behandelnen Arzt vor Ort verordnet wurde. Ich wurde immer schwächer und kam kaum noch alleine hoch. Aber der Arzt schwor auf diese medikamentöse Behandlung und versprach mir, dass es nur in der Eingewöhnungszeit zu so massiven Nebenwirkungen kommt.
Und weil ich ja selbst mit dieser noch frischen Diagnose und der neu angeordneten Therapie völlig überfordert war, vertraute ich dem Arzt und machte weiter... viele Monate lang.

Lange Rede kurzer Sinn: Bei einem erneuten Kontrolltermin in der Uniklinik schlugen die Ärzte die Hände überm Kopf zusammen, weil mein Zustand Besorgnis erregend war.
Ich war fassungslos, denn dieses Medikament hätte ich nie einnehmen sollen und vor allem hätte es der behandelnde Arzt bei den aufgetretenen Nebenwirkungen sofort absetzen müssen.
Dass ich den Arzt sofort danach gewechselt habe, brauche ich nicht extra erwähnen, oder?

...aber ich gebe die Hoffnung nicht auf!!

Wie dem auch sei. Ich bin mitunter aufgrund dieser besagten Behandlung immer mehr in den Rollstuhl gerutscht und kann es deshalb heutzutage an keinem bestimmten Datum mehr festmachen. Ich weiß nur, dass mittlerweile wirklich schon vier ganze Jahre vergangen sind.

An manchen Tagen frage ich mich, wie mein Leben jetzt wohl so wäre, wenn ich nicht erkrankt wäre und nicht in dem Wheely säße.
Wohin ich wohl inzwischen gereist wäre und ob ich immer noch mit den Menschen zu tun hätte, die sich - aus was für Gründen auch immer - nach der Diagnose und dem Rollstuhl von mir abgewendet haben.
Wüsste ich es wohl zu schätzen, dass ich laufen und alles tun könnte, wozu mir gerade der Sinn steht?
Hätte ich jemals angefangen einen Blog zu schreiben und euch kennengelernt?

Fragen, auf die man genau so wenig eine Antwort findet, wie auf die Frage nach dem "Warum".
Und trotzdem erwische ich mich immer wieder dabei, über all diese Fragen nachzudenken.
Vielleicht ist es ja menschlich. Oder einfach nur abgedreht.... - wer weiß!? ;)))





Fotos und Text copyright by v-vabelhaft.blogspot.com

Kommentare:

  1. Meine liebe Frau Vabelhaft, bin ganz ergriffen von deinen Worten. Natürlich denkt man mal zurück, und fragt sich, was wäre wennn??? Das ist ganz normal und menschlich. In Gedanken alles durch zuspielen und zu überlegen, wie es wäre....Aber zu lange sollte mna sich damit nicht befasse, es lässt sich jetzt eh nichts mehr ändern. Du bist sehr tapfer und ich schaue immer gerne bei dir rein. Wünsche dir ein schönes Wochenende.
    Ganz herzliche dekofreudige Grüße von Andrea

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  2. Gerade denke ich viel zu oft darüber nach, was wäre, wenn die Arzthelferin mich damals nicht so dumm hingestellt hätte....
    Es lässt sich nicht ändern... Das Leben unseres Kindes war schwierig und kurz.
    Sie hat es mit Sicherheit nicht gewollt, war bestimmt überfordert. Sie ist Mensch, macht Fehler...
    Mich berührt dein Post sehr. Vielleicht gerade auch deshalb, weil es viele Fragen gibt, die hier nie beantwortet werden.
    Bleib zuversichtlich, und verliere das Lachen nicht! Das Leben hat viele schöne Seiten
    Herzlichst
    yase

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  3. Jetzt habe ich tatsächlich erstmalig deine "Persönliches"-Seite gelesen, denn ich dachte (warum auch immer), dass du schon immer im Rollstuhl sitzen würdest. Und jetzt lese ich erst, wie es wirklich ist/war.
    Nicht zu wissen was man hat, was mit einem passiert, finde ich wirklich am schrecklichsten. Und dann noch so ein Arzt.... schlimm! Diese was-wäre-wenn-Fragen gehen wohl jedem mehr oder weniger durch den Kopf. Aber sie helfen nicht weiter.
    Und jetzt muss ich mal ein paar Posts weiter (also eigentlich zurück) lesen, bin voll im Hintetreffen.
    Liebe Grüße
    Jutta

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  4. Was mich immer wieder bei solchen Berichten "fasziniert" (also auf völlig negative Weise) ist die Tatsache, dass sich Freunde abwenden. Bekannte ... na gut ... aber Freunde? Mich würde das maßlos irritieren.
    Ich wünsche dir viel Kraft, das nötige Augenzwinkern und jede Menge Gelassenheit für die kommenden Jahre in deinem Wheely.
    (Ich bin eher der Pragmatiker, denke eher vorwärts statt rückwärts, einfach, weil es so viel Kraft kostet und, viel entscheidender, nicht mehr zu ändern ist.)

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  5. denk nit nach warum und weshalb..... des jetzt zählt,,,,
    und i find des toll wia du mit dem ganzen umgehst,,,
    des zoagt von KRAFT und STÄRKE,,,,,
    und sonst hätten wir uns ja nia kennaglernt,,,,ggg
    des war jo schod drum..gelle...
    hob no an feinen TOG
    busale bis bald de BIRGIT

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  6. Liebe Frau Vabelhaft,
    diese Gedanken sind bestimmt menschlich. Ansonsten würden wir uns auch nicht weiterentwickeln. Aber ich bin inzwischen der Meinung, dass es auch nichts bringt, sich an diesen Gedanken aufzuhängen. Ich wollte eigentlich auch schon vor mind. 6 Jahren Kinder bekommen, aber jetzt erst 'hat es sich ergeben'. ;) Ich wollte auch viel reisen, war aber nicht drin. Naja, es wird hoffentlich auch diese Zeit noch kommen. Und ich habe das Gefühl, auch du bist jemand, der versucht, nach vorne zu sehen und damit auch weiterkommst. Und uns bringst du mit deinen Berichten und Einblicken in dein Leben auch weiter - vielen Dank an dieser Stelle wieder einmal dafür!
    LG, Rike

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  7. Liebe Frau Vabelhaft,
    die Zeit lässt sich leider nicht zurück drehen und darüber nach zu denken, was wäre wenn, ist müssig. Du bist eine starke Frau und ich finde es bewundernswert wie du dein Leben meistert. Manch einer schafft das noch nicht mal, obwohl er gesund ist. Von daher seih stolz, ich bin froh das ich dich hier gefunden habe!
    Ganz liebe Grüße Andrea

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  8. Hallo liebe Vabelhaft,
    vielen Dank für Ihren Besuch auf meinen Blog hat mich sehr gefreut. Schön das Ihnen meine Schuhe gefallen. Ich kann mir gut vorstellen, das Sie kalte Füße haben wenn man im Rollstuhl sitzt. Aber ich muss sagen ich habe auch oft kalte Füße. Ich kann dann manchmal nicht einschlafen. Und muss mir eine Wärmflasche ins Bett legen.
    Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche. Gruß Ursula

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  9. Hallo liebe Vabelhaft,
    vielen Dank für Ihren Besuch auf meinen Blog hat mich sehr gefreut. Schön das Ihnen meine Schuhe gefallen. Ich kann mir gut vorstellen, das Sie kalte Füße haben wenn man im Rollstuhl sitzt. Aber ich muss sagen ich habe auch oft kalte Füße. Ich kann dann manchmal nicht einschlafen. Und muss mir eine Wärmflasche ins Bett legen.
    Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche. Gruß Ursula

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  10. Ach, Frau Vabelhaft, das ist ja ein wirklich trauriger Post. Ich wünsche dir Zuversicht und vielleicht kommt ja auch mal etwas Glück dazu!! GlG Rosine

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  11. Hallo du Liebe,
    ich finde es auch bewundernswert,wie du mit dieser Situation umgehst und wie stark du bist!
    Du hast eine liebe Familie und nette Menschen um dich rum,die dich immer unterstützt und zur Seite steht.
    Genieße das Leben trotzdem mit all seinen Facetten!
    Ich grüße dich ganz lieb!
    Kristin

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  12. Liebe Frau Vabelhaft!
    NIEMALS aufgeben!!! Irgendwie geht es immer weiter und es lohnt sich in jedem Fall, auch wenn so mancher Tag beschwerlich ist!
    Ich drück Dich mal ganz feste aus der Ferne!
    Liebe Grüße
    Vanessa

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  13. Du Liebe, mich entsetzt es sehr, dass es Menschen gibt, die sich abwenden, anders oder komisch zu Dir geworden sind. Warum nur?
    Ich wünsch Dir weiterhin ganz, ganz viel Kraft und Gelassenheit. Bleib so wie Du bist, Du hörst Dich so sympathisch an, machst das Beste aus allem. Und da gab es ja wohl einiges, was unnötig und vermeidbar gewesen wäre. Ja, nach vorne schauen, nicht zurück. Vier Jahre ist schon eine lange Zeit, und doch ist es gut, wenn Du Dich nicht so oft in diese "Zeitgedanken" hineinfallen lässt. Dein Leben geht weiter, such Dir die schönen Seiten und geniesse sie, lass Dich verwöhnen.
    Ich ahne wie schlimm man sich schämt, wenn man im Rollstuhl geschoben wird. Meine Mama hat sich auch geschämt, wollte das nie und nicht .... sie hatte ALS, und doch wollte sie bis fast zum Ende GEHEN. Du kannst bestimmt nachvollziehen wie anstrengend und schmerzhaft, teilsweise fast schon unmöglich und quälend das gewesen sein muss. Ich wollte damals nicht verstehen warum sie sich nicht einfach schieben ließ, sich verwöhnen ließ. Das tut mir auch nun nach so vielen Jahren noch leid für sie. Wir haben es damals nicht geschafft, dass sie mit und im Rollstuhl am Leben teilnehmen konnte :-(
    herzliche Grüsse, Du bist wundervoll!
    Elisabeth

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  14. Also, ich hätte ja auch nie gedacht, dass Blumen tatsächlich schmecken ;-)
    Aber ich bin selbst gerade am herumprobieren und es sieht wirklich gleich
    viel schöner aus. Da kann man viel experimentieren.
    Mit Rosenblüten hab ich ja auch schon einiges gemacht, Gelee und Rosenzucker.
    Dein Post ist sehr schön geschrieben und dein Blog macht vielen Menschen Mut
    und gibt ihnen Kraft. Das Leben hält für jeden irgendeinen Packen bereit.
    Manchmal denke ich, es sind oft die Falschen. Aber was ist schon falsch oder
    richtig.
    Ganz liebe hoffentlich bald wieder sonnige Junianfangsgrüße
    sendet dir die Urte :-)

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  15. Liebe Fr. Vabelhaft,
    man weiß erst dann wie es sich anfühlt, wenn man es selbst erlebt hat. Ich weiß, wie es ist, wenn man immer nach dem Warum fragt. Ich weiß, wie es ist, wenn manche Mensch sich von einem abwenden. Es ist echt schlimm und manchmal muss ich weinen, weil ich es einfach nicht verstehe. Nicht glauben kann, dass Dinge so einfach passieren. Ich habe vor kurzem einen Satz gelesen, der mir immer wieder in meinem Kopf herumschwirrt:" Das Leben ist schön, von einfach war nie die Rede!"
    Dir alles, alles Liebe!
    Karen

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  16. Liebe Frau Vabelhaft. Nun komme ich endlich mal dazu, dir hier zu schreiben. Im Moment ist das bei mir alles ein bisschen schwierig und ich habe gar nicht so viel Zeit. Trotzdem war es mir aber wichtig, dir endlich einen Besuch abzustatten und dir zu folgen, denn was du hier schreibst, scheint wirklich sehr herzlich und interessant zu sein.
    Ich glaube, das Nachdenken ist menschlich. Und wahrscheinlich zusätzlich noch vor allem weiblich. Denn mich trifft es damit auch ständig. Diese Gedanken, die immer wieder kommen, nie weg gehen und einen eigentlich auch nicht weiterbringen! ;)
    Ich wünsche dir schonmal ein schönes Wochenende und bis bald!
    Judith

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Danke, dass du dir Zeit für einen Besuch bei mir genommen hast.