Dienstag, 30. August 2016

Aus einem anderen Land

Heute erzähle ich euch mal etwas Persönliches über mich.
Ich weiß gar nicht, ob ihr es wusstet, aber vor vielen Jahren kam ich aus einem anderen Land hierher nach Deutschland.
Ich habe nur noch kleine Erinnerungsfetzen, wie es damals so in Portugal war. Ich lebte in einem Heim und kann mich nur noch daran erinnern, dass es dort sehr voll war.
Irgendwann waren einige Leute dort, die mich und ein paar andere mitnahmen.
Da ich damals noch sehr jung war, wusste ich gar nicht so genau, wie mir geschah. Ich dachte, wir machten einen großen Ausflug oder so. Aber es kam anders....


Ein Bild, das ich schon mal auf Instagram gezeigt habe, das aber der eine oder andere evtl. noch nicht kennt. ;)


Ich erinnere mich nur sehr schemenhaft daran, wie ich mit einem Flugzeug hierher nach Deutschland kam und wie furchtbar aufgeregt und übel mir deswegen war. Zwar hatte ich wohl vorher etwas Beruhigendes bekommen, aber anscheinend war die Wirkung nicht so toll.
Als der große blecherne Vogel endlich gelandet war und ich wieder festen Boden unter mir hatte, war ich soooo erleichtert.
Aber all diese fremden Menschen um mich herum, die in einer für mich völlig unverständlichen Sprache redeten, schüchterten mich direkt wieder ein, so dass meine Freude über den überstandenen Flug schnell vergangen war.

Außerdem standen direkt vor mir plötzlich ein paar Leute. Sie tätschelten mir immer wieder über den Kopf und nahmen mich nach einer Unterhaltung mit unseren Begleitern aus dem Flugzeug einfach mit.
Es war für mich eine einzige Katastrophe, denn ich verstand ja kein Wort und war völlig verunsichert und ängstlich, weil ich nicht wusste, was nun mit mir geschah und wohin ich kam.
Nach einer mir unendlich lang erscheinenden Autofahrt, die aber wesentlich angenehmer als das Fliegen im Flugzeug war, kamen wir an einem großen Haus an.

Irgendwie war ich völlig überfordert.
Die vielen fremden Menschen mit ihrer seltsamen Sprache, diese ganzen fremden Gerüche, Geräusche und Umgebungen.
Am liebsten wäre ich weit weggelaufen und hätte mich versteckt!
Aber wo soll man denn schon hin, wenn man so klein und alles um einen herum so fremd ist!?
Die nächsten Tage wurden nicht besser.
Ich hatte schreckliches Heimweh und wollte zurück nach Hause in mein Heim, wo all meine Freunde waren, wo ich alles verstand und alles kannte....


Ein Bild, das ich schon mal auf Instagram gezeigt habe, das aber der eine oder andere evtl. noch nicht kennt. ;)


Die Leute waren zwar nett und so, aber ich fühlte mich nicht so toll, obwohl sie sich gut um mich kümmerten. Aber aus heutiger Sicht denke ich, dass es ihnen im Nachhinein nicht schnell genug mit meiner Eingewöhnung ging und ich einfach mit all dem Neuen um mich herum und der fremden Sprache überfordert war.
Deshalb kam es immer wieder zu unschönen Erlebnissen, wie z.B. mit diesem lauten Ungetüm von Staubsauger. Puuuh, der hat mir einen Heidenschreck eingejagt.... So sehr, dass ich vor lauter Angst lospinkelte. :((
Das hat den Leuten gar nicht gefallen und es gab viel Geschrei. Mir war das einfach schrecklich peinlich und diese Schreierei machte mir noch größere Angst.
Von da an war ich noch verunsicherter und ängstlicher, als ich sowieso schon war.
Die Leute schimpften jetzt schon bei den kleinsten Fehlern und ich weiß wie traurig ich deswegen immer war, denn ich habe mich doch immer so bemüht und wollte doch so gerne alles richtig machen.....

Mit den Wochen und Monaten versuchte ich mich irgendwie mit meinem neuen Leben zu arrangieren.
Aber mit der Zeit konnte ich diesen Leuten auch immer weniger Recht machen. Es wurde für mich immer schwieriger mich dort Zuhause zu fühlen.
Eines Tages fuhren wir wieder mit dem Auto los. Am Autofahren hatte ich mittlerweile richtig Freude bekommen und war immer begeistert, wenn wir irgendwohin fuhren.
Aber diesmal war es anders. Ich wusste sofort, dass ich nicht zurückkommen werde, aber ich verhielt mich ganz ruhig und tatsächlich brachte man mich in ein Heim.
Mittlerweile verstand ich ja ein paar Brocken deutsch und so hörte ich, wie die Leute sinngemäß sagten, dass ich mich nicht anpassen würde und ein Zusammenleben mit mir nicht möglich wäre.
Ohne großartige Beachtung verließen mich diese Leute und ließen mich ganz alleine zurück!

Ich weiß wirklich nicht, was aus mir geworden wäre, wenn nicht direkt nach 1 1/2 Stunden meine Leutchen aufgetaucht wären.
Es war Liebe auf den ersten Blick.
Ich hing von innen und Frauchen von außen an der Gittertür von dem Zwinger und sie wiederholte immer wieder nur, dass sie nicht ohne mich dort weggehen würde.
Wie ich nachher erfahren habe, hat sie den Leuten im Tierheim unmissverständlich klar gemacht, dass es ihr egal wäre, dass ich erst vor einer knappen Stunde abgegeben wurde und dass es nicht üblich wäre, einen Hund so schnell weiter zu vermitteln. Nur dass sie mich unbedingt mit nach Hause nehmen wollte und sonst jeden Tag dort auf der Matte stände.
Was soll ich noch groß erzählen....
Eine knappe Woche später war ich endlich ZUHAUSE.




Und mit einem freundlichen Wuff und kleinen Nasenstubser verabschiede ich mich. Machts gut und bis bald.

Adopt don't shop!






Fotos und Text copyright by v-vabelhaft.blogspot.com

Kommentare:

  1. Ach...liebe Frau Vabelhaft,
    was für eine rührende Geschichte und wie wundervoll das ihr euch gefunden habt! Nun, habt ihr sicher einen ganz, ganz treuen Begleiter, welcher euch ewig dankbar sein wird! Happy End!!!! Unser Vierbeiner kommt aus Griechenland und wir haben ihn als Mini-Welpen und herrenlosen Streuner mitgenommen! Er dankt es uns täglich und die Zeit mit ihm möchte ich nicht mehr missen!!!! Das ist bereits 12 Jahre her!!!! .....und zum Glück ist unser Struppi immer noch fit ! :-)
    Herzensgrüassli
    Yvonne

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  2. Das ist eine Geschichte die nur das Leben schreiben kann ... Wunderschön:))
    Gerade die Tiere die so unschöne Erlebnisse hatten , sind besonders anhänglich und lieben von ganzem Hundeherzen.
    Hab einen schönen Abend und viele Knuddels für die kleine Fellnase .
    LG Antje

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  3. Du hast eine wunderbare Geschichte darüber geschrieben - Hauptsache ein Happy-End! Man sieht wie gut es dem kleinen, süßen Kerl geht und wie wohl er sich fühlt und man spürt wie gern ihr ihn habt!
    liebe Grüße
    Gerti

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  4. Grosses Glück hattest du, kleine Fellnase!
    Herzlichst
    yase

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  5. Du meine Güte, was für eine Lebensgeschichte.. das arme kleine Hündchen!! Wie schön, dass Ihr es aufgenommen habt, Frau Vabelhaft! Ganz liebe Grüße, Nicole

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  6. Uuuuuuuuuuuuuuuhh...ich dachte zuerst, es wäre Deine Lebensgeschichte!! Aber die vom süßen kleinen Wuffi ist auch traurig und schön zugleich! Wir haben unsere Mieze auch aus dem Tierheim und ich würde es jederzeit wieder tun!
    Lg, Tanja

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  7. Oh ja! So habe ich es auch zu Hause gelernt und alle unsere Katzen sind bzw. waren aus dem Tierheim oder sind uns zugelaufen. Es gibt soooo viele liebe Tiere, die in einem Tierheim leben müssen. Schade, dass es dann immer noch Leute gibt, die bei kleinen Problemen gleich aufgeben. Aber umso schöner, dass der kleine Wuschel nun ein so wunderbares Zuhause hat.
    LG, Rike

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  8. Oh, der arme kleine Kerl. Wie gut, dass ihr euch gefunden habt. Man sieht ihm an wie glücklich er darüber ist.
    Liebe Grüße,
    Nicole

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  9. Wunderschön ist das zum lesen...und dann auch noch eine wahre Geschichte. Du hast ein gutes Herz und ich muss gerade an den Post von Deinem Mann denken, als er schrieb, dass Du ihm die wahre Liebe gezeigt hast. So ist es Deinem süssen Hund auch ergangen mit Dir.
    glg Susanne

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  10. Ach wie schön...das wahre Leben schreibt die schönsten und berührensten Geschichten.
    Euch ein liebevolles und inniges Zusammensein ganz viele, viele Jahre. ♥

    Herzlichst
    Julia

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  11. Hallo V.
    Zuerst dachte ich Du wurdest als Klleinkind adoptiert :))
    Gut geschrieben.

    ♡♥ Christel

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  12. Gänsehaut ... hab ich jetzt!
    So viel Glück, dass er Euch, oder Ihr ihn "gefunden" habt ...

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  13. Ich lass mal ein paar Tränchen da. Geht nicht ohne, wenn ich sowas lese.
    Unsere Madame kommt aus Ungarn und der Start war wirklich schwer. Inzwischen haben wir uns arrangiert, aber ihr Lebenspäckchen trägt sie immer mit sich rum. :(
    Liebe Grüße

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Danke, dass du dir Zeit für einen Besuch bei mir genommen hast.