Donnerstag, 1. September 2016

Starker Tobak

Es war einmal in einer fremden Stadt.... - so oder so ähnlich fangen ja immer die besten Märchen an und enden dann zu 99,8% mit einem Happy-End.
Mein "Märchen" beginnt auch inmitten einer fremden Stadt, allerdings nicht mit einer jungen holden Maid *grins*, sondern mit einer Frau im Rollstuhl auf der Suche nach einem Klo.

"Oh nein!" denkt ihr bestimmt, jetzt kommt die schon wieder mit so einer ollen Klo-Story um die Ecke. Tja, was soll ich euch dazu sagen, außer dass ihr damit richtig liegt. ;)))

Stellt euch vor, ihr seid unterwegs, kennt euch nicht so gut aus und plötzlich müsst ihr mal...
Kein Problem - denkst du jetzt. Dann gehst du eben direkt ins nächste Cafe oder so.
Was ist aber, wenn du feststellst, dass es dort kein Klo für dich gibt und auch nicht in all den anderen Läden, in denen du nachfragst???

Dann ist es wirklich von Vorteil eine gewisse App auf deinem Handy zu haben, die dir - egal wo du dich gerade befindest - ein stilles Örtchen anzeigen kann. Dafür ein herzliches Dankeschön an die beiden Erfinder von "Wheelmap" Raúl Krauthausen und Holger Dieterich.

Allerdings gibt es dann doch immer wieder das ein oder andere unvorhergesehene Problem, das es dir unmöglich macht, das Örtchen aufzusuchen, wie z.B. ein Defekt oder aber gesunde Zweibeiner, die ja wirklich an jeder Ecke eine Möglichkeit haben, eine Toilette aufzusuchen, die das Klo blockieren.

Natürlich gibt es immer Ausnahmen und spätestens seitdem ich Mutter geworden war, weiß ich, wie dringend man mit kleinen Kindern machmal ein Klo an Ort und Stelle braucht (alle Mamis nicken gerade eifrig mit dem Kopf... *kicher*). Das ist ja auch alles kein Ding, aber wenn Erwachsene und völlig gesunde Menschen die einzige erreichbare und benutzerfreundliche Toilette für Menschen mit Handicap blockieren, weil ihnen diese Toilette sauberer, komfortabeler oder was weiß ich erscheint, ist das unter aller S**, völlig gedanken- und rücksichtslos und ziemlich dreist!

Die meisten kommen dir dann mit einem völlig scheelen Grinsen aus dem Handicap-Klo entgegen mit der dämlichen Frage: 
- "Oh, wollen Sie etwa hier rein?" 
- "Nein, nicht doch! Ich stehe nur aus Hobby vor geschlossenen Toilettentüren!"

Ganz blöd ist es, wenn du nach langem Suchen endlich das Klo gefunden hast und deine Blase schon kurz vor einer Eruption in deinem Inneren steht, aber die Tür von innen verschlossen ist....
Ein wunderbares Gefühl der Erleichterung macht sich breit, wenn sich diese Tür dann nach einer gefühlten Ewigkeit endlich öffnet, das sich aber innerhalb von Sekunden in Wut verwandelt, weil ein "Püppchen" auf ihren teuren High Heels herausstolziert kommt und dir auch nur wieder scheel anlächelnd sagt: "Ich musste nur mal schnell mein Makeup auffrischen."

"AAAAAAAAAAAAAAAArrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrgggggggggggggghhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh!"

Leute! Ich appelliere jetzt mal an euren Verstand:
Lasst die wenigen Toiletten für Menschen mit Handicap eben für Menschen mit Handicap!

Ich persönlich finde es sowieso schon eine Zumutung, dass Rollstuhl fahrende Männer und Frauen sich ein Klo teilen müssen (was in den Staaten ein Unding wäre!) und weiß auch von anderen Rollstuhlbenutzern, dass sie das nicht gut finden.
Das alleine grenzt schon hart an Diskriminierung und dann ist es zusätzlich ganz schön starker Tobak, dass gesunde Zweibeiner diese wenigen Toiletten für Menschen mit Handicap auch noch besetzen.


So, das musste mal gesagt werden und jetzt zurück zum aktuellen Tagesgeschehen: 
Auf der Fahrt mit Juniorfrosch zum Kieferchirugen, der heute die Fäden der tapfer überstandenen Weisheitszahn-OP (alle 4 auf einmal!!!) gezogen bekommt.

Eure V.




Text copyright by v-vabelhaft.blogspot.com


Kommentare:

  1. Liebe Fr. Vabelhaft,
    ja ich gestehe! ich benutze auch (und bitte steinigt mich nicht gleich!) die Toilette für Menschen mit Handicap. Aber zu meiner Verteidigung ... nur wenn keine andere frei ist und es wirklich dringend ist und ich muss gestehen, dass diese Toiletten wirklich sauberer, größer, komfortabler sind. Letztens musste ich mit meiner kleinen Tochter gemeinsam in eine "normale" Toilette (unsere Kleine schafft es noch nicht ganz alleine aufs Klo zu gehen) ...die war so eng ... rein kamen wir ja beide irgendwie, aber ich glaubte ich komm da echt nicht mehr raus ...und das ist kein Spaß!
    Liebe Frau Vabelhaft, ich verspreche Besserung und werde mich in Zukunft von WC`s für Menschen mit Handicap fern halten!
    Dir alles alles Liebe und danke für´s Aufmerksam machen!
    Karen

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  2. Weisst du, was mich gerade jetzt am meisten stört?? Hier am Ort gibt es ein Café, das mit dem Label "nette Toilette" wirbt ( heisst, meine ich, dass man ohne Konsumzwang pinkeln darf) - also da ist die Damentoilette gleichzeitig die Toilette für Menschen mit Handicap. Es hat komfortablerweise einen Treppenlift, aber wir hopsenden Zweibeinetrnnen habe keine andere Möglichkeit. Geht ja nun auch nicht....
    Ich bin dir immer wieder dankbar für deine Geschichten. Weil wir uns so oft null Gedanken machen. Peinlich, nicht?
    Herzlichst
    yase

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  3. Wir in Deutschland können uns diesbezüglich von den Amerikanern eine dicke Scheibe abschneiden! Nicht nur, dass es in jedem Restaurant barrierefreie Toiletten gibt, generell kann man sich dort viel freier bewegen. Und das ohne, dass es als "unnormal" gilt. Ich habe in Amerika einmal erlebt, wie einem Rollifahrer die Möglichkeit gegeben wurde, einen abgelegenen Canyon zu besichtigen. Da wurde jeder Hebel in Bewegung gesetzt. In Deutschland undenkbar. Da wird nur mit der Schulter gezuckt. Wir sind einfach ein Entwicklungsland im Umgang mit Behinderungen und das ist traurig.
    Lg, Tanja

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  4. ja, Du hast völlig recht, ist genau das gleiche Thema wie mit den "Rolli-Parkplätzen", immer sind sie besetzt und man fragt sich manchmal - so viele Rollifahrer!- sind unterwegs, nein sind sie nicht. Da parken die, die immer die Ausrede haben, ich muss ja nur kurz!
    liebe Grüße
    Gerti

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  5. Das tut mir leid das Du solche Erfahrungen machen musst ...jeder sollte es sich zu Herzen nehmen. Hab ein schönes Wochenende ohne derartige Vorfälle. Liebe Grüße Antje

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  6. Liebe Frau Vabelhaft,

    freisprechen kann ich mich nicht...denn es ist schon vorgekommen in meinem Leben (höchsten 3x), dass ich eben eine solche Toilette benutzt habe. In der Regel mache ich das bewusst nicht, aber da war bei mir kaum ein halten mehr.
    Es ist in Ordnung uns alle darauf aufmerksam zu machen. Danke.

    Herzlichst
    Julia

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  7. Schlimm genug, dass Du so einen Post schreiben musst. Es läuft einfach nicht selbstverständlich gut, und das ist schade!
    liebe Grüsse
    Elisabeth

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  8. Liebe Frau Vabelhaft,
    ich kann deinen Ärger mehr als verstehen und muss dir sagen, dass es für mich absolut nicht nachvollziehbar ist, warum gesunde Menschen auf ein Behinderten WC gehen. Da kann ich mich nur Elisabeth anschließen, schade!
    Ganz liebe Grüße Andrea

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  9. Upps, ertappt. Ich habe das auch schon mal gemacht. Aber nicht zum Nase pudern! Und nur in dringenden Notfällen!
    Nämlich denn wenn ich mal richtig dringend muss und vor dem normalen Klo eine Meeeegaschlange steht ..... dann geht's mir nicht anders als Dir. Dann muss ich einfach nur. ;-)
    Liebste Grüße
    Birthe

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  10. Liebe Frau Vabelhaft,
    ich schließe mich den "Geständigen" an. Es ist nunmal nur selten eine Warteschlange vor der Toilette für Menschen mit Handicap, um nicht zu sagen "nie". (Ich habe jedenfalls noch keine gesehen.) Was auf die herkömmlichen Damenklos leider keineswegs zutrifft. [Da hat sich offenbar auch noch kaum jemand einen Kopf drüber gemacht: Damen-WCs müsste es viel, viel mehr geben als welche für Herren, denn dort gibt es auch nur selten eine Warteschlange.]

    In unseren Büroräumen gibt es übrigens (verteilt auf 2 Stockwerke) zwei Rolli-WC's, die einfach NIEMALS benützt würden, würden sie nicht die NICHT-Rolli-Fahrer benützen. Denn es GIBT in unseren Büros keine Rollstuhlfahrer und es hat uns, soweit ich weiß, in all den Jahren auch noch keiner besucht. Hat also nur mit gesetzlichen Auflagen zu tun, die manchmal Sinn machen, aber manchmal auch einfach nur viel Geld kosten...
    Ich kann deinen Ärger verstehen, aber ich hoffe, du hast auch Verständnis dafür, dass auch Zweibeiner, die keine Kleinkinder im Schlepptau haben, sehr eilig aufs WC müssen. Nase pudern fällt jetzt wohl nicht so sehr unter Notfall ... andererseits kenne ich die Nase der Dame nicht, vielleicht war es also DOCH einer ;o))

    Herzliche Rostrosen-Abendgrüße und alles Liebe zum Wochenende
    Traude
    http://rostrose.blogspot.co.at/2016/09/als-hochzeitsfotografen-unterwegs.html

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  11. Liebe Frau V.,
    natürlich ist es nicht schön, vor verschlossenen Klotüren warten zu müssen. Aber - du wirst es nicht glauben: genau das passiert Menschen mit gesunden Beinen ein ums andere Mal auch ;o)
    Ich pudere nie meine Nase (und trage übrigens auch keine Highheels) aber wenn ich dringend aufs Klo muss, warte ich nicht - vielleicht noch in einer Schlange auf dem Autobahnrastplatz) neben einer offenen Klotür vor einer verschlossenen. (Erforderlichenfalls ginge ich da übrigens auch aufs Herrenklo.)
    Ein Klobesuch ist schließlich nicht mit einer Parkplatzsuche zu vergleichen - bei der ich mich auch oft genug darüber wundere, warum eigentlich immer alle 10 Behindertenparkplätze vor unserem Supermarkt frei sind und ich eine Viertelstunde auf der Suche nach einem freien Parkplatz herumkurven muss - mein Auto selbstverständlich aber trotzdem nicht auf dem Behindertenparkplatz abstelle.
    Tatsache ist: wir sind alle Menschen und sollten alle rücksichts- und verständnisvoll miteinander umgehen.
    Wir sind alle gleich und die meisten Menschen mit körperlichem Handicap legen übrigens auch Wert darauf, so behandelt zu werden.
    Ich tue das - und erwarte es genauso von anderen/ DIR!
    Nicht jeder ist eine gedankenlose Tussi, der deine vermeindlichen Rechte verletzt.
    Ich bitte dich um Respekt und Toleranz und finde das nicht zu viel verlangt!
    Claudiagruß

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Danke, dass du dir Zeit für einen Besuch bei mir genommen hast.